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Design-Ikonen im Schwarzwald

Freudenstadt zeigt Sonder-Ausstellung zu Arno Votteler

Drei sich ergänzende Ausstellungsbereiche zeigen einerseits das Lebenswerk Arno Vottelers. Der Industriedesigner und Architekt gilt als einer renommiertesten Designer der Nachkriegszeit. Der gebürtige Freudenstädter war Mitbegründer des Verbandes Deutscher Industriedesigner, international tätiger Designer und Hochschullehrer sowie Initiator des Weissenhof-Instituts in Stuttgart. Weitergetragen wird sein fachliches Erbe heute von seinen Meisterschülern. Ihrem Wirken widmen sich in der Sonder-Ausstellung zwei flankierende Ausstellungsbereiche.

Der „Votteler-Chair“ und andere Ikonen

Den Kern der Ausstellung bildet eine Retrospektive mit dem „Votteler-Chair“ als Mittelpunkt. Der 1956 für die Firma Walter Knoll in Herrenberg entworfene und 2015 in einer Re-Edition wieder aufgelegte Sessel steht bis heute für die einzigartige Linie und Gestaltungskompetenz Arno Vottelers. Ergänzend werden Exponate gezeigt, die der Öffentlichkeit bislang kaum
zugänglich waren. Darunter Möbel-Prototypen aus Arno Vottelers Privat-Sammlung. Nicht wenige davon lieferten die Vorlage für Möbel, die später zu Design-Ikonen wurden.

Ein smART Hotel für neue Lebensformen

Einer der Meisterschüler in der Ausstellung ist Axel Müller-Schöll, heute Professor an der Kunsthochschule Halle. Gemeinsam mit Studenten des Fachbereichs Innenarchitektur präsentiert er Zukunfts-Konzeptionen zu den Themen „Kurzzeit-Wohnen“ und „Wohnen im Hotel“. Gezeigt wird dabei unter anderem ein fiktiver Umbau-Entwurf des Kunstmuseums Ravensburg für die Nutzung als Hotel.

Hightech aus einem alten Werkstoff

Auch die Gründer der Stuttgarter Innovations-Schmiede spek Design sind aus Arno Vottelers Schule hervorgegangen. Eberhard Kappler und Patrick Sauter, einst Schüler in Vottelers Studiengang Innenarchitektur und Möbeldesign, zeigen die Ausstellung „green innovations – Hightech in Holz“. Dem Forschungsansatz von Vottelers Lehre folgend, entwickelt spek Design innovative Holz-, Holzwerkstoff- und Furnierprodukte. Für seine visionären Konzepte und experimentellen Designansätze, stets in Verbindung mit neuen Werkstoffen und modernsten Fertigungstechnologien, wird das Büro regelmäßig mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

Kristallisationspunkt: Eine Stadt im Schwarzwald

Zusammen finden die Elemente der Ausstellung über eine beschauliche Stadt im Schwarzwald. 1929 wurde Arno Votteler in einem industriell geprägten Seitental Freudenstadts geboren. Die Familie betrieb dort eine
Holzmanufaktur. Der Einfluss der Schwarzwälder Einsamkeit und des dort selbstverständlichen Erfindergeists bezeichnet Votteler als prägend für seine Arbeit. "Das sind die Wurzeln." In Fachkreisen wird Arno Votteler verehrt. Teile seiner Privat-Sammlung wurden 2015 in den Fundus der Neuen Sammlung in München aufgenommen. Auch in einigen öffentlichen Gebäuden Freudenstadts sind Vottelers Werke noch immer präsent. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt von Architekt Ludwig Schweizer als geschlossenes Ensemble im Stil der fünfziger Jahre Architektur wiederaufgebaut. Zum Ambiente gehören bis heute Original-Möbel Arno Vottelers aus den fünfziger Jahren. So auch im Ausstellungsort des Kurhauses.

Innovationsgeist Arno Vottelers wird fortgetragen

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet das junge Netzwerk Kreativwirtschaft „Zukunft . Denken“ aus Freudenstadt. Arno Votteler war einer der Unterstützer der ersten Stunde, der dem Netzwerk und seinen Teilnehmern als Impulsgeber zur Verfügung stand. Kuratiert und konzipiert wird die Ausstellung von Eberhard Kappler und Birgit Stiletto, beide Mitglieder im Kreativnetzwerk „Zukunft . Denken“. Die Idee der beiden Kuratoren: „Wir wollen den Fokus auf die original fünfziger Jahre Substanz Freudenstadts und auf die Designleistung Arno Vottelers lenken.“ Das Netzwerk „Zukunft . Denken“ wurde 2015 von der Kultur- und Medienmanagerin Tina Eberhardt, Inhaberin der Agentur Aprinum Kommunikation, initiiert und von der Stadt Freudenstadt als Träger übernommen. Ziel des Netzwerks ist es, den Raum Freudenstadt als Zentrum kreativer Köpfe in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. „Es geht darum, Firmen und Kreativschaffende in unserer ländlichen Region zu vernetzen und eine gemeinsame Innovationsplattform zu entwickeln“, erklärt Tina Eberhardt. Für Ralf Heinzelmann, Leiter der Wirtschaftsförderung Freudenstadt, liegt ein Engagement der Stadt in Sachen Kreativnetzwerk auf der Hand: „Die Kreativwirtschaft ist eine absolute Zukunftsbranche und Freudenstadt ist eine zukunftsorientierte Stadt, beides gehört also untrennbar zusammen.“

Weitere Informationen

Ausstellung ist von 1. bis 17. März 2017 im Kurhaus Freudenstadt zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten sind montags von 10 bis 14 Uhr, dienstags bis samstags 10 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 18 Uhr.