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ZukunftsZeit in Freudenstadt

Unternehmer und Kreativschaffende tauschen sich aus

MEnschen sitzen in einem Halbkreis und werden von einer Kamera bildlich erfasst.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen – so auch bei der lange geplanten Veranstaltung „ZukunftsZeit“. Die Organisatoren um Projektleiterin Franziska Hoferer von der Freudenstädter Wirtschaftsförderung hatten zwar lange gehofft, die Veranstaltung könne als Präsenzveranstaltung stattfinden, waren aber dennoch bestens darauf vorbereitet die „ZukunftsZeit“ per Live-Stream ins Internet zu verlagern. Und so trafen sich am Campus nur eine Handvoll Menschen, die unter strengen Hygienevorschriften, Einblicke in ihre unternehmerische und künstlerische Tätigkeit gaben.

Oberbürgermeister Julian Oswald, der den Abend vor Ort verfolgte kam am Ende der Veranstaltung nicht mehr aus dem Strahlen heraus: „Wir haben in unserer Stadt und Region so großartige Menschen. Diese Menschen aus verschiedenen Branchen zusammenbringen ist eine tolle Idee, die unsere Region bereichert. Wir haben verstanden was Kreativität auch für die Stadtentwicklung bedeuten kann.“ Sein Dank ging an die Wirtschaftsförderung der Stadt Freudenstadt als Organisator der Veranstaltung sowie an Tina Eberhardt, als Initiatorin des Netzwerks „Zukunft.Denken“. Außerdem dankte Osswald allen Partnern sowie der Ton- und Bildtechnik Emele Eventtechnik.

Durch den Abend führte Dirk Dobiéy, der mit seinem Beratungsnetzwerk „Age of Artists“ aus Problemen Möglichkeiten und aus Herausforderungen konkrete Anregungen und Ansätze für eigene Projekte schafft. In seinem Vortrag ging Dobiéy drauf ein, dass kreatives Gestaltungspotential allen offen steht: „Man muss dafür nicht verrückt sein“, so Dobiéy. Ein zentraler Punkt sei, dass sich die Verantwortlichen auf die Unsicherheiten einlassen und aus den Herausforderungen der Zeit neue Arbeitsaufträge ableiten.

Laut Dobiéy nehme die Häufigkeit der Krisen zu, Unternehmer müssen sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen. Wie dies in Unternehmen der Region gelebt und umgesetzt wird berichteten lokale Künstler und Unternehmer*innen auf dem Podium. Katrin Wolf (Wolf Maschinenbau GmbH & Co. KG), Steffen Schillinger (Hotel Fritz Lauterbad), Erhard John (Reichert Holztechnik GmbH & Co.KG), Albrecht Behmel (Künstler) sowie Mathias Schweikle (Stuckateur und Landart-Künstler) gaben Einblicke in ihre Arbeitsweisen. Ebenso als Podiumsgast geladen war Campus Geschäftsführer Stefan Bogenrieder.

Katrin Wolf sowie auch Steffen Schillinger gaben Einblicke in ihre Herausforderungen als Unternehmensnachfolger*in. Maschinenbau und Hotellerie könnten von den Anforderungen nicht unterschiedlicher sein- gemein ist beiden aber die Flexibilität, die sie und ihre Mitarbeiter*innen brauchen, um Markt- und Kundenwünsche erfüllen zu können. Wichtig war beiden, dass Mitarbeiterbindung und Fachkräftegewinnung zentraler Punkt für den Unternehmenserfolg sei. Hier setzt Katrin Wolf auf einen eigenen Betriebskindergarten und bei Schillingers im Lauterbad werden die Auszubildenden in der eigenen Lauterbad Accademy geschult. „Auch während der pandemiebedingten Schließung haben wir jeden Tag unsere Nachwuchskräfte trainiert und ausgebildet“, untermauert Steffen Schillinger. Auch Erhard John setzt auf das kreative Potential der Mitarbeiter: „Man kann nur gut tun, was man gerne macht – das versuchen wir zu leben. Täglich neue Anforderungen lösen unsere Mitarbeiter selbst, es ist wichtig Verantwortung zu übernehmen. Fehler dürfen gemacht und Erfolge gefeiert werden.“

Der international tätige Freudenstädter Künstler Albrecht Behmel sowie der Stuckateur und Landart Künstler Mathias Schweikle gaben Einblicke in ihre Arbeitsweisen als Künstler und Handwerker. Ebenso als Podiumsgast konnte Campus Geschäftsführer Stefan Bogenrieder zeigen, wie kreative und innovative Arbeit im Umfeld des Maschinenbaus aussehen kann. Bogenrieders Mantra ist es, wieder zurück zur kreativen DNA der Tüftler zu finden: „Die Familienunternehmen der Region haben sich über Generationen gewandelt, sie haben sich mit ihren Entwicklungen immer am Markt orientiert. Das Tüftler- und Denker-Gen ist hier in der Region weitverbreitet und wird gelebt. Hier sehe ich den Campus Schwarzwald als Impuls- und Ideengeber, der das Potential an Innovationskraft orchestriert und neue Technologien zusammenbringt.“

Auch der Künstler Albrecht Behmel sieht sehr viele Parallelen zwischen Künstler und Unternehmern. Auch Künstler haben Teams und Netzwerke, sie gehen auf Messen und müssen sich und ihre Abläufe organisieren.

Der große Unterschied zwischen Künstler und Unternehmer sei, so waren sich Behmel und Schweikle einig, dass sie keine Work-Life-Balance bräuchten. Sie fänden ihre Erfüllung in der Arbeit. Schweikle: „Erfolg ist nur mit Begegnungen der Menschen möglich – wir brauchen die Welt und ein Netzwerk, beruflich wie privat: Es gibt keinen Self-made-Man.“

Bereichert wurde die Podiumsdiskussion durch Fragen, die das Publikum per Chat einbringen konnte. So gab es konkrete Antworten und Hilfestellungen von den Gästen, zum Beispiel auf die Frage: “Wie kann ein Kreativer, der tausende Ideen hat, diese sortieren und herausfinden was das richtige für ihn ist?“ Campus Geschäftsführer Stefan Bogenrieder setzt auf Austausch: „Struktur schaffen, bemalbare Wänden und Tafeln nutzen, Ideen austauschen, sortieren und kommunizieren.“ Der Künstler Behmel setzt eher auf den Dialog mit sich selbst: „Alles aufschreiben, nach einer Weiler rausstreichen – schlechte Ideen sterben von selbst“, so Behmel.